Donnerstag, 13. April 2017

Hunde können die Perspektive des Menschen verstehen

Als hochsoziale Wesen können wir Menschen uns in andere Menschen ein stückweit hineinversetzen. Wir können das Erleben des Anderen miterleben. Hier unterscheiden wir zwei Fähigkeiten: Empathie und TOM. Empathie ist das gefühlsmäßige Miterleben mit den Gefühlen anderer Menschen. TOM ist eine Abkürzung für "Theory of Mind" was die kognitive Fähigkeit meint, die Perspektive eines Anderen einzunehmen, quasi dessen Erkennen, Denken, Absichten mit- oder nachzudenken. Die Wissenschaft beharrte lange Zeit darauf, dass diese beiden Fähigkeiten ausschließlich dem Menschen vorbehalten seien. Inzwischen ist mehrfach nachgewiesen, dass auch Tiere wie Schimpansen, Raben oder Hunde Empathie empfinden können. Hunde leiden mit, wenn Herrchen oder Frauchen leiden, entsprechend freuen sie sich. Die Kognitionsbiologen der Veterinärmedizinischen Universität Wien um Ludwig Huber haben nun einen sehr starken Beleg geliefert, dass Hunde auch zu TOM in der Lage sind.

Empathie und Theory of Mind bei Hunden? 

Neuere Untersuchungen, die auf die Fähigkeit von TOM bei Hunden hinwiesen, waren bisher sehr umstritten. Huber und seine Mitarbeiter haben sich einen cleveren Versuchsaufbau ausgedacht, um diese Fähigkeit überzeugend auszuforschen. Sie verwendeten das Guesser-Knower-Paradigma, ein Standardtest in der Erforschung der Wissenszuschreibung (TOM), den sie weiterentwickelten.

Ich weiß, ob du was gesehen hast!

In der Standardversion gibt es immer zwei Personen, einen "Wissenden", der das Futter - für den Hund unsichtbar - unter eine von mehreren Schalen platziert oder weiß, wo es von jemand anderem platziert wurde, und einen "Unwissenden". Der Unwissende war beim Verstecken des Futters in Futterschalen entweder nicht im Raum oder hielt sich die Hände vor das Gesicht. Eine undurchsichtige Wand versperrt den Tieren die Sicht auf das Verstecken des Futters. Danach werden die beiden Menschen, der Wissende wie der Unwissende zu Informationsgebern, indem sie mit der Hand auf unterschiedliche Futterschalen zeigen. Etwa 70% der Hunde folgen dem Hinweis des "Wissenden". Das belegt, dass die Hunde beobachtet und erkannt hatten, wer die richtigen Informationen überhaupt haben konnte und dieses Wissen gezielt nutzten. Eine solche Untersuchung hatten neuseeländische Forscher bereits 2014 publiziert. Dies kann man als ersten Hinweis auf TOM werten. Eine solche Interpretation blieb aber in der Fachwelt umstritten.
Die Vierbeiner übernehmen die Perspektive, also die Blickrichtung des richtigen Informanten, um an verstecktes Futter zu kommen. Ludwig Huber/Vetmeduni Vienna
Ich weiß, was du gesehen hast!

Die Wiener Forscherinnen um Prof. Huber bestätigten zunächst einmal das Ergebnis aus Neuseeland. Dann setzten sie noch einen drauf. "Wissende" und "Unwissende" waren nun zwei Menschen, die in dieselbe Richtung schauten, aber an zwei verschiedenen Ecken standen. Es waren aber - anders in dem Versuchsaufbau der Forscher aus Neuseeland - diesmal beides "Sehende". Nur: Von der einen Ecke konnte der potenzielle Informant das Verstecken beobachten, von der anderen nicht; eine Frage der Sichtweise. Wieder war es so, dass das Verstecken selbst für die Hunde nicht einsehbar war. Sie konnten daher auch nicht unmittelbar sehen, dass ein Informant das Verstecken beobachten konnte. Doch sie konnten offenbar berechnen, welcher Informant das Verstecken beobachten konnte und wer nicht. Das heißt, sie mussten die Perspektive beider Menschen einnehmen können, um dann aus der Geometrie erschließen zu können, was wer sehen kann. 70% der Hunde hatten offensichtlich genau das getan und folgten dem "Wissenden".
Hunde beobachten uns genau und können erkennen, welcher Mensch einen Hinweis auf verstecktes Futter geben kann. Ludwig Huber/Vetmeduni Vienna
Coevolution von Mensch und Hund als Sozial- und Arbeitspartner

Aus Sicht des Autors dieses Artikels ist die Wiener Arbeit eine großartige Bestätigung für die Fähigkeit zu TOM und zwar sogar interspezifischer TOM. Die Hunde konnten sich in die Sichtweise einer anderen Spezies, des Menschen, hineindenken und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Dabei gingen sie wie selbstverständlich davon aus, dass der Mensch ihnen wohlgesonnen ist, ihnen hilft und sein Wissen an den Hund korrekt weitergibt. Der Versuch ist ein weiterer Beleg für die besondere Qualität der Bindung zwischen Mensch und Hund. Der Hund ist eben nicht lediglich ein Paria, ein an der Müllkippe zahm gewordener Wolf. Der Hund hat eine weit über 15.000-jährige Geschichte der Coevolution mit dem Menschen hinter sich, ist dessen Sozial- und Arbeitspartner geworden. Der Hund hat sich freiwillig und aktiv domestiziert und domestizierte dabei auch ein stückweit den Menschen, so dass dieser neurobiologisch in die Lage versetzt wurde, höhere Kulturen und größere soziale Strukturen zu entwickeln und das schon lange vor seiner Sesshaftwerdung.

Ein Beitrag von Christoph Jung

Links:
zu den Hintergründen und Studien des Autors zum Thema Coevolution:
  • Vortrag:
    3. Rostocker Vierbeinersymposium "Wissenschaft trifft Hund - Der Wolf. Der Hund. Der Mensch." am 17.Juni 2017 (in Zusammenarbeit des Vierbeinerforums mit dem NABU und der Universität Rostock)
  • Artikel in der aktuellen Ausgabe 27 von SitzPlatzFuss
    "Koevolution von Mensch und Hund"
  • Bericht im Spiegel 11/2017 und online (Spiegel Plus)
  • "Tierisch beste Freunde - Mensch und Hund - von Streicheln, Stress und Oxytocin" von Daniela Pörtl und Christoph Jung
  • Poertl D., Jung C. "The domestication from the wolf to the dog is based on coevolution." Dog Behavior Vol 2, No 3 (2016) DOI: http://dx.doi.org/10.4454/db.v2i3.44 (peer-reviewed)


Donnerstag, 23. März 2017

Lundehund: Systematische Tierquälerei in der Hundezucht

Die Population des aus Norwegen stammenden Lundehundes ist von einer schwerwiegenden Erbkrankheit gebeutelt, dem Lundehundsyndrom (Petwatch berichtete). Es ist ein qualvolles, meist tödliches Dahinsiechen, das die kleinen Hunde bereits in jungen Jahren ereilen kann. Die Tierärztliche Hochschule Hannover beschreibt das Lundehundsyndrom wie folgt: "Das Lundehundsyndrom ist eine schwerwiegende gastro-enteropathische Erkrankung für die der Lundehund eine Rassendisposition besitzt. Das Syndrom umfasst chronisch-entzündliche Defekte des Darms, Proteinverlust-Enteropathien (PLE), Lymphgefäßausweitungen im Darm sowie Magenprobleme. Betroffene Hunde reagieren unterschiedlich stark auf die Störungen im Magen-Darmtrakt mit Erbrechen, Durchfall, Gewichtsverlust bis hin zur Apathie. Eine Euthanasie ist in schweren Fällen bzw. bei einem anhaltenden chronischen Verlauf der Erkrankung häufig unumgänglich."
Professor Distl von der TiHo Hannover hat 2016 einen Gentest für die erbliche Disposition auf das Lundehundsyndrom entwickelt (Danke an Prof.Distl!). Damit könnten Hunde mit dieser Erbkrankheit zuverlässig identifiziert und aus der Zucht genommen werden. Somit hat man endlich ein wirkungsvolles Instrument, um die Hunde vor dieser "Seuche" zu schützen und die Hunderasse insgesamt vor einem qualvollen Dahinsiechen und schließlich Aussterben zu retten.

VDH-Verein lässt Zucht mit Lundehundsyndrom zu

Wer meint, die Züchterschaft würde das freudig annehmen und umsetzen, sieht sich leider getäuscht. In Foren wird stattdessen deutlicher Unmut zum Ausdruck gebracht. Gegen Befürworter dieses Tests wird in üblicher Manier unter der Gürtellinie gehetzt. Soweit bekannt, ist der Test bis heute keine Auflage für eine Zuchtzulassung im zuständigen VDH-Zuchtverein "Deutscher Club für Nordische Hunde e.V." (DCNH). Ein negatives Ergebnis, das heißt der Nachweis des Fehlens dieser gefährlichen Erbanlage, ist offenbar unbedeutend für die Zucht! Wie Lundehund-Expertin Nicole Kamphausen aufdeckt, wird sogar weiterhin mit Hunden gezüchtet, von denen bekannt sein soll, dass sie Träger des Gendefektes für das Lundehundsyndrom sind. Bei der Auflistung der VDH-Deckrüden ist ganz allgemein keinerlei Hinweis auf den Status hinsichtlich dieser Seuche zu finden.

Gentest wird ignoriert

Offenbar meint die Züchterschaft des Lundehundes im DCNH, den Gentest von Professor Distl einfach ignorieren zu können und „Business as usual“ weiterhin mit erbkranken Hunden das Zuchtgeschäft betreiben zu können. Das werden wir zu verhindern suchen! Aus hiesiger Sicht handelt es sich hier um einen bewussten und systematisch betriebenen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, das die Zucht ausdrücklich verbietet, wenn mit Leiden für die Tiere zu rechnen ist. Das ist eindeutig der Fall, wenn fahrlässig oder gar bewusst einfach weiter mit Carriern für das Lundehundsyndrom vermehrt wird. Es ist ein Tierschutzskandal erster Güte, wenn der Zuchtverein und der VDH diesem Treiben tatenlos zuschauen. Zudem verstößt diese Praxis im VDH-Verein DCNH gegen das eigene Statut des VDH (§2). Man kann es als Mahnung und Warnung verstehen: Wir werden alle strafrechtlichen und zivilrechtlichen Mittel einsetzen, um die Personen zur Rechenschaft zu ziehen, die sich fahrlässig oder bewusst der weiteren Verbreitung des Lundehundsyndroms schuldig machen!
  • Zuchtordnung des VDH §2:
    "Sämtliche Zuchtmaßnahmen müssen zum Ziel haben, ...  erbliche Defekte durch geeignete Zuchtprogramme zu bekämpfen. Zur Bekämpfung erblicher Defekte ist ein Vorgehen nach einem Phasenprogramm erforderlich.
    "
  • Tierschutzgesetz § 11b:
    "Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten..., wenn damit gerechnet werden muss, dass bei der Nachzucht, ... erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.
Der Lundehund ist zwar nur eine zahlenmäßig unbedeutende Hunderasse, aber er steht beispielhaft für die eklatanten Missstände in Teilen der Hundezucht Deutschlands und der EU. Er symbolisiert eine skrupellose, tierquälerische Praxis selbst innerhalb von VDH-Vereinen, die die ganze, um das Wohl und die Fitness ihrer Hunde bemühte, seriöse Züchterschaft sowie die Rassehundezucht insgesamt in Verruf bringt.

Rassehundezucht: Schwarze Schafe der Zucht bekämpfen!

Der Lundehund ist es wert, erhalten zu werden. Wer sich um diese Hunde kümmert, weil er sie liebt, wird alles tun, damit sie ein gesundes, schönes Leben führen können. Dazu zählt zwingend, dass mithilfe des Gentests von Professor Distl die Seuche des Lundehundsyndroms systematisch ausgerottet und umgehend ein entsprechendes Phasenprogramm auf den Weg gebracht wird.

Wir appellieren an:
  • ... den DCNH, als Sofortmaßnahme unverzüglich ein negatives Ergebnis auf den Gentest der TiHo Hannover auf das Lundehundsyndrom zur Bedingung für eine Zuchtzulassung bei den Lundehunden zu machen.
  • ... den VDH, sein eigenes Statut umzusetzen und zusammen mit dem DCNH ein Programm zur systematischen Bekämpfung des Lundehundsyndroms auszuarbeiten und dessen Umsetzung zu kontrollieren (Phasenprogramm, siehe Offener Brief an den VDH). Bis dahin soll entsprechend dem Beispiel des Österreichischen Kynologenverbandes, ein negatives Ergebnis im Gentest zur Bedingung für eine Zuchtzulassung gemacht werden.
  • ...die Tierärzteschaft, sich nicht zum Komplizen für solche Tierquälerei zu machen, vielmehr die "Züchter", die mit nicht negativ getesteten Hunden vermehren, die Zusammenarbeit zu verweigern und zur Anzeige zu bringen. Die Bundestierärztekammer wurde informiert.
  • ... die Welpenkäufer des Lundehundes, nur Welpen von Züchtern zu kaufen, bei denen beide Elterntiere einen negativen Test vorweisen können.




Freitag, 3. März 2017

Wissenschaft trifft Hund - Der Wolf. Der Hund. Der Mensch.

Vorankündigung:

3. Rostocker Vierbeinersymposium

Wissenschaft trifft Hund
Der Wolf. Der Hund. Der Mensch.

Vormittagsvortrag von der Autorin und Naturforscherin Elli Radinger :
Das Sozialverhalten der Wölfe
Strategie, Kommunikation, Loyalität, aber auch Neugier, Geduld, Liebe - Was uns Wölfe als soziale Familientiere lehren können! Beobachtungen und Lektionen aus einer erkenntnisreichen Zeit unter freilebenden Wölfen.

Mittagsvortrag von Christoph Jung, Diplom-Psychologe und Publizist:
Wie und warum fanden Mensch und Wolf zusammen?"
Die soziale Domestikation des Hundes - ein begründetes Modell mit wissenschaftlichen Einblicken in die Anfänge einer Jahrtausende währenden Freundschaft, die heute auf dem Prüfstand steht!

Nachmittagsvortrag von Daniela Pörtl, Ärztin mit Schwerpunkt Neurologie und Psychiatrie
Das soziale (Überlebens-)Konzept der Natur
Die individualisierte Bindung - Wissenschaftliche Erkenntnisse unter anderem aus der Neurobiologie und deren Bedeutung für die heutige Mensch-Hund-Beziehung!

Wann und wo?
Tagesveranstaltung:
Samstag, 17. Juni 2017
09:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Hörsaal der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock
Justus-von-Liebig-Weg 8


Montag, 13. Februar 2017

Werbung mit Hund: Solidarität der Dicken?

Eine attraktive Frau mit Idealmaßen läuft im Bikini am Strand. Die ebenso idealmaßigen Männer im besten Alter schauen begierig hinterher. Neben all diesen Idealtypen müht sich eine dicke, schwabbelige Bulldogge, mit der Schönen am Strand mitzulaufen. Wir sehen die Werbung für Almased, ein Schlankheitsmittel. Werbung zur besten Sendezeit im TV "für alle die schon morgen eine Bikini-Figur brauchen!" Schnell und gesund Abnehmen, in wenigen Tagen, Wunschgewicht und Planfigur verspricht Almased. Wie passt dazu der pummelige, faltige Hund?

Ein Bulldog in der Schönheitswerbung ist sicher kein Zufall. Die Wirkung von Tieren auf Menschen wird seit Mitte der 1970er Jahre auch im deutschsprachigen Raum systematisch erforscht. Das gilt besonders für die Werbung, einen Milliardenmarkt. Da will man schon genau wissen, mit welchem Hund sich welche Produkte am besten verkaufen lassen. Die Mensch-Tier-Forschung ist an einigen psychologischen Instituten angesiedelt und liefert für das Marketing der großen Konzerne fundierte Hunde-Empfehlungen vom Basset Hound bei Hushpuppies, dem Scotch Terrier bei Whisky, dem Border Collie bei Ford, bis zum English Bulldog bei Almased oder beim Mini.
Screenshot aus Almased  Bikini-Werbung (hier ARD kurz vor Tagesschau)
Wie kommt nun der Bulldog zu Almased?

Die Zielgruppe, also die potenziellen Käufer des Schlankheitsmittels sind nicht die Schönen der Werbung. Es sind im Gegensatz dazu genau solche Menschen, die sich selbst als zu dick, vermeintlich unschön und unattraktiv empfinden. Die dicke Bulldogge baut aber die Brücke zur Welt der Schönen und Attraktiven. Der sympatische Hund funktioniert als der Kumpel, der den emotionalen Zugang öffnet, Angst nimmt, Solidarität weckt. Erst der speziell ausgesuchte Hund macht die Werbung für die Zielgruppe wirksam.
Screenshot aus Almased Werbung "Commercial"
Der Bulldog ist auch ein Lebewesen. 

Ein Lebewesen, das frei atmen und wie ein Hund unbehindert laufen können will. Ein Lebewesen, das nicht schon mit 6 Jahren - so die durchschnittliche Lebenserwartung des Bulldogs - sterben will, obwohl er - gesund gezüchtet - doppelt so alt werden könnte. Der in der Werbung gezeigte Bulldog hat keine Wahl - im Gegensatz zu dem (meisten) Dicken. Die Menschen haben ihm einen kranken Körper angezüchtet. Qualzucht nennt man das. Er muss sich schon mühen, für ein paar Meter mit einem joggenden Menschen mithalten zu können. Hätten wir Menschen ihm seine Gesundheit gelassen, könnte auch ein Bulldog einen Zweibeiner im Laufen locker übertrumpfen. Trotzdem wollen genug Menschen solche Hunde mit zu kurzer Nase, dicken Falten, großen glubschigen Augen und einem pummeligen Körper wie bei Bulldog, Mops, Bully, Kavalier King Charles Spaniel, Perserkatzen und vielen anderen von den Menschen wissentlich und willentlich geschundenen Kreaturen.

Kurznasen und Glubschaugen: Nicht süß, sondern gequält!“ 

Fünf Tierarztverbände fordern deshalb: Stoppt die Werbung mit Mops & Co! Die Industrie nutzt die Wirkung der qualgezüchteten Hunde und Katzen ganz bewusst. Sie arbeitet wissentlich mit dem Elend dieser Tiere, um ihre Produkte besser zu vermarkten, statt dieses Elend anzuprangern und Qualzucht zu ächten. Aber auch die "Tierfreunde" sollten in sich gehen. Gerade in Deutschland erleben die Plattnasen seit Jahren einen Boom, namentlich billige Welpen aus den Hundefabriken Osteuropas oder von Hinterhof-Hobby-"Züchtern" in Deutschland. Die Deutschen, die sich so gerne als Tierschutz-Weltmeister selbst hofieren, sollten sich einmal an die eigene Nase packen und endlich der Qualzucht ein Ende bereiten. Es ginge, wenn man nur wollte.

Ein Kommentar von Christoph Jung



Samstag, 7. Januar 2017

The domestication from the wolf to the dog is based on coevolution

Wir veröffentlichen hier einen Artikel, der in der aktuellen Ausgabe des wissenschaftlichen Journals "Dog Behavior" veröffentlicht ist. Es ist die Zusammenfassung der Präsentation von Daniela Pörtl und Christoph Jung auf dem Canine Science Forum 2016 in Padua, das nun nach Durchsicht durch fachkundige Wissenschaftler in dieser Form zugänglich gemacht wird (Double-blind peer-reviewed). Hier zunächst den Abstract in seiner englischen Originalfassung. In einem weiteren Artikel werden wir dazu auf Deutsch Stellung nehmen.

The domestication from the wolf to the dog is based on coevolution.
The evolutionary continuity of the brain enabled both to social contact and empathy


Keywords: domestication of dogs; stress axis; epigenetics; pro-social neurotransmitters; coevolution

Dogs, derived from wolves, have been living in human environment for millennia. During the Palaeolithic period, humans and wolves lived simultaneously as similar structured social mammals and cooperative hunters in the same ecological niche. Due to the evolutionary continuity of brain both evolved very similar refined social communication. Mirror neuron mechanism enabled both of them mutual empathy and interspecific cooperation. Enhanced social contact and empathy between humans and their associated wolf-clans started epigenetic modulation of the HPA-stress axis. Our model of the active social domestication considers that domestication is essentially an epigenetic based process of changing the interactions of HPA stress axis and 5-hydroxytryptamine (5-HT) system. Both are closely cross-regulated. Changes in their interactions are of particular relevance when regarding domestication processes of animals.

Operated by epigenetic modulation social affection like licking and grooming enhance hippocampus Glucocorticoid receptor (hGCR) expression via increased serotonin and subsequently increased NGF levels binding on GRexon1;7promotorbloc. Increased hGCR density inhibits the activity of HPA stress axis. In addition, during Neolithic-period nutrition changes like methionin decrease and thryptophan increase reduced the activity of HPA stress axis via same epigenetic modulation.Thus, epigenetically decreased cortisol levels and therefore increased serotonin and oxytocin levels improved social learning capability of wolves allowing them to extend their social skills to interactions with humans. Tamed wolves could grow into domesticated social dogs able to emerge human directed behaviour. This epigenetic modulation of neurotransmitter activities is still the base of human-dog-bonding and the benefit of dog facilitated therapy.

Autors
D. Pörtl, C. Jung

References
Jung, C., Pörtl, D., 2015. Tierisch beste Freunde: Mensch und Hund - von Streicheln, Stress und Oxytocin. Schattauer-Verlag, Stuttgart, Germany.
Pörtl, D., Jung, C., 2013. Die aktive soziale Domestikation des Hundes: Ein neurobiologisch begründetes Modell zur Mensch-Hund-Beziehung. BoD, Norderstedt, Germany

DOG BEHAVIOR Vol 2, No 3 (2016)
DOI: http://dx.doi.org/10.4454/db.v2i3.44

Poster
Dog’s Domestication is based on coevolution with humans



 
Petwatch Blog